Was Zero Waste Ist und Was es eben Nicht sein Sollte – Ein Kommentar?

Die Zero-Waste-Bewegung ist ein klarer Trend. Das ist toll für unseren Planeten. Oder etwa nicht? Nur, wenn wir den wirklichen Sinn hinter der Bewegung nicht vergessen und kritisch genug bleiben, um Greenwashing von echter Klimafreundlichkeit zu unterscheiden.

Zero Waste allein ist nicht nachhaltig

Bei der Zero-Waste-Bewegung sollte es nicht einfach darum gehen, weniger Einweg-Produkte zu gebrauchen und den Wegwerf-Plastik zu reduzieren, sondern darum, die natürlichen Ressourcen unserers Planeten zu schonen. Deshalb sehe ich auch keinen Grund darin, einen Strohhalm aus Glas zu kaufen oder hier bei Albertina anzubieten. Strohhalme sind (ausgenommen einzelner Ausnahmesituationen, wie etwa nach einer Kieferoperation) sowas von unnötig. Warum also sollten wir diese Dinger also überhaupt zu Hause haben?

Dieses Beispiel zeigt: Zero Waste Lifestyle heisst eben nicht zwingend nachhaltiger Lifestyle. Wenn wir aber schon bei der Kategorisierung von Lifestyles sind, würde ich sagen: Eine Kombination von Minimalismus (nur das Nötigste besitzen) und Zero Waste kommt diesem Ziel schon viel näher.

Zero Waste Produkte sind per se nicht nachhaltig

Zero Waste Produkte sind per se nicht nachhaltig. Warum? Das Material, aus dem etwa deine Trinkflasche hergestellt wurde, wächst vielleicht nur langsam bis gar nicht mehr nach. Oder: Die Produktion und Wertschöpfungskette von der Herstellung über den Transport bis zum Verkauf an sich benötigt schon so viel Energie und verursacht Treibhausgase, dass von Nachhaltigkeit nicht mehr die Rede sein kann. Bei der Kaufentscheidung sollten deshalb noch andere Kriterien eine Rolle spielen, wie etwa: Wo wurde das Produkt produziert? Aus welchen Materialien besteht das Produkt und sind diese nachhaltig? Welche Nebenprodukte wurden durch die Herstellung des Produkts freigesetzt? Im schlimmsten Fall sind dies schädliche Giftstoffe. Wie wurde das Produkt hergestellt, sind zum Beispiel die Arbeitsbedingungen in der Produktion sicher und fair?

Den wahren Sinn der Bewegung bitte nicht vergessen

Wenn wir nicht aus den Augen verlieren, worum es bei Zero Waste eigentlich geht, dann fällt es uns auch leichter, alles entspannter zu sehen. Worum es nämlich nicht geht: Instagramtaugliche Bilder vom Vorratsschrank mit eingewecktem Gemüse und Schränke ganz ohne Plastik-Tupperware. Natürlich ist das toll, aber jede*r, der einmal mit Zero Waste anfängt, hat immer noch irgendwelches Plastik-Tupperware und andere Nicht-Zero-Waste-Artikel im Haushalt. Wohin damit? Natürlich behalten! Das versaut dir zwar das Bild vom perfekten Vorratsschrank aber du siehst eben das grosse Ganze und willst doch wegen deinen Zero-Waste-Ambitionen nicht schon von Beginn Weg Abfall verursachen. Vollkommen unnötig!

Zero Waste ist eben nicht alles

Wir dürfen uns auch nicht einbilden, dass wir mit einem Zero-Waste-Lebensstil einen riesengrossen Einfluss zur Rettung unseres Planeten haben. Bewusster und nachhaltiger Konsum ist nämlich nur ein Bereich, in dem man etwas fürs Klima tun kann. Sollten wir es also gleich ganz lassen? Auf keinen Fall! Und folgende Aussage veranschaulicht das schön: «Es ist ja nur ein Plastiksäckli – dachten sich 8 Milliarden Menschen». Wir sollten Zero Waste leben, vor allem dabei das grosse Ganze und den Sinn der Bewegung immer im Blick haben. Und wir sollten weitergehen und weiterdenken: Mobilität, Ernährung, Stromnutzung. Wir können noch viel tun! 

 

Bildquelle Beitragsbild: Pexels, Stas Knop.